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Rheinpfalz am 13. September 2007
Klassiker der Heimatliteratur
Erich Hoffmanns Abend zum „Bellemer Heiner" in Queichhambach
„Sie hän gegrische un gelacht/Millione haw ich froh gemacht", konstatierte „de Bellemer Heiner" schon in seinen „Lebensversen". Und am Sonntag hat sich dieses Heer der Glücklichen noch vermehrt. Denn Erich Hoffmann ließ das Pfälzer Urgestein im Rahmen der Kulturtage Südliche Weinstrasse im Queichhambacher „Bachstelznest" noch einmal lebendig werden und in den Herzen alter und neuer Fans „weiderlewe.
„September war"s in einer Nacht/do haw ich erschtmols Krach gemacht." Und just an diesem 20. September des Jahres 1881, als August Heinrich „als Nummero acht"' und „ä Haifl Menschefracht" das Licht der Welt erblickte, begann für den „Pälzer Bu" auch schon die Berg- und Talfahrt des Lebens, die den Weltenbummler und Tausendsassa nach vielen Abenteuern wieder in die Heimat führte, wo er 83-jährig als berühmter „Bellemer Heiner" starb. Natürlich kennt man ganz besonders hierzulande seine herzlich-deftigen „Sprich". Sein Traktat „Vun de Pfälzer Sprooch", die süffisante Beschreibung der „Fahneweih", das allzeit gültigen „Hettemer un die Wammer" oder die markanten „Hunnert Worte pälzisch", die zum Grundwortschatz jedweden Vokabeltrainings für Dialektunkundige zählen, sind längst Klassiker der Heimatliteratur und darüber hinaus intelligente Botschafter der Pfälzer (Sprach)kultur. Wenn all die „gloore" Gedichte aber so pfiffig, ehrlich und ganz und gar von Herzen rezitiert werden wie von Erich Hoffmann, dann erschließt sich deren innerer Kosmos auf besonders eindringliche Art und Weise.
Hoffmann aus Neupotz, der auch selbst Mundartgedichte schreibt, hat das Leben und Werk des Bellemer Heiner so verinnerlicht, dass es ein Stück seiner selbst wurde. Und gerade weil er den Dichter nicht kopiert, sondern interpretiert, gelingt sein Vortrag erfrischend unverkrampft und originell. Die urwüchsige Sprache samt ihrer donnernd-sprudelnden Wortgewalt wird da nicht zum Schenkelklopfer, sondern bewahrt bei allem Humor auch das Hintersinnige, Nachdenkliche, mitunter erst rückblickend Anrührende. Anrührend, aufregend und außergewöhnlich war auch die Lebensgeschichte des Bellemer Heiner, die Hoffmann - eingebettet in dessen biografische Dichtung und aufgelockert durch Liedbeiträge mit seiner Frau Inge - elegant Revue passieren ließ. Auch „unser Auguschd" musste wohl erst die (neue) Welt entdecken, sich als Maler, Dekorateur und Schiffskoch verdingen und später als Tänzer und Schauspieler verwirklichen, ehe es ihn mit Frau und Tochter zurück in die Heimat verschlug, wo er dem Rat und Vorbild seines Jugendfreundes Paul Tremmel folgend zu dichten begann und 37-jährig zum „Bellemer Heiner" avancierte. Oft noch „hot"s Blättl sich gewendt", der Titel aber ist dem Hansdampf in vielen Gassen geblieben.
Warum der Bellemer Heiner, der - wie Erich Hoffmann keineswegs verschwieg - so ganz und gar „nicht gefeit war gegen die Ideen des Dritten Reiches", aber ausgerechnet als Rebell, Reformer oder Revolutionär und damit als Botschafter der Kulturtage herhalten soll, bleibt ein Rätsel, das sich höchstens mit dem Veranstaltungsort selbst klären lässt. Denn im Spechtloch, so erklärte Hausherr Helmut Seebach zu Beginn der gelungenen Veranstaltung, solle „jeder Bürger unabhängig vom Geldbeutel Anteil haben an der Kultur". Und weil in der Scheune somit „alles frei" sei, handele es sich hier um einen durch und durch revolutionären Ort. (ttg)
BERGK
Quelle: Verlag: DIE RHEINPFALZ Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Rheinschiene Ausgabe: Nr.213 Datum: Donnerstag, den 13. September 2007 Seite: Nr.26 "Deep-Link"-Referenznummer: '2655809' Präsentiert durch DIE RHEINPFALZ Web:digiPaper
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