Hoffmann-Hammer-Trio

Chansons gepaart mit "Pfälzer Art"

Rheinpfalz am 24. September 2007

Um die Welt gereist, aber heimisch nur in der Pfalz

Wie aus August Heinrich der Bellemer Heiner wurde - Rezitationsabend mit Erich Hoffmann bei den Woisträßlern

Von unserer Mitarbeiterin Regina Wilhelm

Freunde der Pfälzer Mundart kamen voll auf ihre Kosten: Erich Hoffmann hat am Freitagabend auf Einladung der Woisträßler ein kleines, aber begeistertes Publikum mit Werken des „Bellemer Heiner" erfreut. Erich Hoffmann gelingt es ausgezeichnet, den Bellemer Heiner, der eigentlich August Heinrich heißt, nicht nur „alten" Anhängern, sondern auch Neulingen nahe zu bringen. Unterbrochen von Gedichten erzählt er zunächst Biografisches, um später einige bislang unveröffentlichte Werke zu rezitieren, auf die der Kulturverein Bellheim bei der Recherche anlässlich des 125. Geburtstags von August Heinrich im vergangenen Jahr gestoßen ist.

Auf einem kleinen Tischchen liegen ein paar Büchlein des Mundartdichters. Eine Fotografie von ihm dominiert die Ecke. Mehr Kulisse benötigt Hoffmann nicht. Schon im Durchschreiten des kleinen Raumes lässt der Neupotzer, der den Südpfälzer Dialekt perfekt beherrscht, den Bellemer Heiner über die „Pälzer Sproch" philosophieren, deren man mächtig sein müsse. Dieses Fazit hat Heinrich zwar zu Hause im stillen Kämmerlein gezogen, doch erst nachdem er sich über Jahre den Wind in der ganzen Welt hat um die Nase wehen lassen.

Geboren wird August Heinrich am 20. September 1881 als achtes Kind von Wirtsleuten. Schon während der Schulzeit lernt er Paul Münch kennen, mit dem ihn später eine enge Freundschaft verbunden hat. Gespickt mit Anekdoten und einigen Pfälzer Liedern, die Inge Hoffmann gesanglich und auf der Gitarre begleitet, entwickelt sich das abenteuerliche Leben des Bellemer Heiner, der als junger Mann nach Amerika auswandert. Nach dem großen Erdbeben verlässt er 1906 San Francisco in Richtung Australien, heuert als Küchenjunge auf einem Dampfer an und erlernt so den Beruf des Kochs. Die geringen Löhne motivieren ihn zur Rückkehr in die USA. Dort verdingt er sich als Maler, entdeckt seine Liebe zum Theater. Außerdem meldet er sich in der Hochschule für Kunst in Berlin an. Heinrich spielt auf zahlreichen Bühnen in Deutschland. Doch ein großer Held sei er nie gewesen, weiß Hoffmann. 1913 heiratet der Bellheimer seine Frau Helene aus Eußerthal, mit der er eine Tochter hat.

Den Ersten Weltkrieg übersteht Heinrich unbeschadet: Er wird als Dolmetscher eingesetzt. Nach dem Krieg wird er Gärtner bei seinem Bruder in Bellheim und wendet sich dem „Dichtle" zu. Schon 1920 erscheint sein erstes Bändchen. 1922 erlangt er seinen Künstlernamen Bellemer Heiner. Bei einem Herrenweinabend wird er mit einem „guten 21er" sogar darauf getauft. Heinrich avanciert zum Botschafter der Pfalz. Seine Gedichte werden in Zeitungen veröffentlicht und im Rundfunk gesendet. Gestorben ist der Bellemer Heiner, von dem insgesamt zehn Bücher erschienen sind, am 5. Mai 1965.

In ausgewählten Gedichten wie „Handkeesräs", „Neier Messdiener", „Derkemer Worschtmarkt" oder „Feierwehr", die sich durch Mutterwitz, Scharfsinn, teils auch durch Tiefgründigkeit und köstliche Sprachakrobatik auszeichnen, versteht es Hoffmann, den Zuhörer in die Welt des Bellemer Heinrich zu entführen. Ohne eine Reihe von Zugaben darf Erich Hoffmann nicht die Bühne verlassen.

Info: Am Freitag, 28. September, 20 Uhr, erweckt Erich Hoffmann im Michel"schen Hof in Neustadt den Bellemer Heiner erneut zum Leben.

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Mittelhaardter Rundschau
Ausgabe: Nr.222
Datum: Montag, den 24. September 2007
Seite: Nr.26 "Deep-Link"-Referenznummer: '2693735'
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