Hoffmann-Hammer-Trio

Chansons gepaart mit "Pfälzer Art"

Eine musikalische Autobiographie

NEUPOTZ: „Zwei, drei starke Lieder" wollte Klaus Hammer noch schreiben, bevor er sein Lebenswerk als Komponist vorstellt. Die Lieder sind fertig: Am Samstag, 16. Oktober, sind nun erstmals ausschließlich Hammer-Werke zu hören. Auf der Bühne im Vereinsheim von Viktoria Neupotz stehen ihm Inge und Erich Hoffmann sowie weitere illustre Bühnengäste zur Seite.

Von Axel Stolper

Wo andere Leute ihren Hobbykeller haben, ist Klaus Hammers Probenraum. Obwohl diese Bezeichnung so eigentlich nicht ganz stimmt: Ein aufgeräumter Computer-Arbeitsplatz, eine Sitzecke mit geometrischem 1990er-Jahre-Muster, ein Schrank. Durchs Fenster ist sein Garten zu sehen, der direkt an den des Elternhauses grenzt. Dort haben er und seine Schwester Inge Hoffmann schon als Kinder gesessen und zur Gitarre ihren zweistimmigen Gesang geprobt.

Vom „Leben mit Musik", wie sein wohl persönlichstes Konzert heißt, ist in dem schlichten Raum auf den ersten Blick nichts zu bemerken. Immerhin: Eine Westerngitarre steht griffbereit in einem Ständer. Doch Fotos aus der bald 50-jährigen Sänger- und Liedermacher-Karriere sucht man den Wänden vergebens.

Vielleicht ist dies Ausdruck der Hammerschen Bescheidenheit, die auch im Gespräch auffällt. „So viel habe ich gar nicht geschrieben, etwa 60 Lieder in den vergangenen 35 Jahren. Wenn man das neben der normalen Arbeit macht, geht es halt nicht so schnell." Der 58-Jährige arbeitet als Disponent beim Daimler-Zulieferer Faurecia in Wörth. „Eine solche Rückschau wollte ich schon lange einmal auf die Bühne bringen, aber ich hatte so ein Gefühl, mir fehlen jetzt noch zwei, drei starke Lieder." Die hat er jetzt beisammen, in der typischen Mischung aus Schlager, Liedermacher und Kabarett, die Hammer-Songs auszeichnen. „Aber inhaltlich sind sie kritischer geworden", findet er selbst. In einem ganz neuen Lied beschreibt er eine betriebliche Weihnachtsfeier: Die Stammbelegschaft trinkt da mit entlassenen Leiharbeitern gemeinsam ein „letztes Bier"...

Das „Nur-Hammer"-Konzert unterscheidet sich von den üblichen Auftritten des Hoffmann-Hammer-Trios (HHT). Bei diesen spielt Klaus Hammer gemeinsam mit Schwester Inge eine Mischung aus eigenen Liedern, Volks-, Liedermacher- und Revolutionsliedern, während Schwager Erich Hoffmann moderiert und Gedichte vorträgt.

Diesmal gleicht das Konzert einer autobiographischen Revue: Wichtige Mitstreiter und Freunde sind dabei. So die „Amerikatruppe" des FC Viktoria Neupotz mit dem „Song of Friendship", Hammers erstem selbst geschriebenen Lied, entstanden 1974 zur Begrüßung einer amerikanischen Gastmannschaft aus Seattle. Oder der in Neupotz lebende Amerikaner Dave Borndrager, der als Gaststar das für ihn geschriebene Lied „En Ami un die Palz" singen wird. Dabei sind als Sängerinnen Julia Schneider und Sabine Deutsch, denen Klaus Hammer die Lieder „Hand in Hand" und „Nur einen Augenblick" geschrieben hat. Der Pianist Georg Metz, Partner aus Klaus Hammers beliebtem Otto-Reutter-Programm, wird ebenfalls dabei sein, nicht zuletzt die Bühnenkollegen vom „HHT".

Ein einsames Geschäft ist das Liederschreiben eher nicht: An den Texten seiner Lieder wird nach dem ersten Entwurf noch kräftig geschliffen. „Sprachlich ist nicht gleich alles perfekt", räumt er ein, „Ich habe das ja nie systematisch gelernt, Grammatik und so". Dankbar akzeptiert er Ratschläge von anderen, vor allem von Schwester Inge, die die meisten Manuskripte als erste begutachtet. „Das kannst du aber so nicht machen', meint die nicht selten, und dann wird schon mal ein Manuskript zerknüllt, in die Ecke gepfeffert und überarbeitet. Denn Klaus Hammer weiß: Meist hat die große Schwester recht mit ihren Verbesserungsvorschlägen.

„Schließlich muss ich das ja auch mitsingen', schmunzelt Inge Hoffmann. Ihre klangvolle Stimme begleitet schließlich die ihres Bruders, die heute ein wenig an an Konstantin Wecker erinnert. Das war nicht immer so: Als die Geschwister 1961 zum ersten Mal auftraten, klang der Neunjährige eher wie Heintje, wie alte Tonbänder belegen.

Dabei haben sich die beiden Singen und Gitarre Spielen selbst beigebracht. „Wir spielten zuerst auf allen möglichen Heckenfesten in Neupotz", erinnert er sich. „Die Leute sagten, hopp, loss" die Kinner mool was spiele." Dass die beiden jungen Leute herzergreifend zweistimmig sangen, sprach sich schnell herum.

Schon damals suchte Deutschland den „Superstar": Mitte der 1960er-Jahre machten sich die „singenden Geschwister Hammer" bei Wettbewerben des Senders Rias Berlin als Schlagernachwuchs einen Namen. In Pirmasens, Zweibrücken, Kaiserslautern oder Wiesbaden landeten sie mit nachgespielten Titeln wie „Honeymoon in St. Tropez" regelmäßig auf dem ersten Platz. Fast wären sie 1967 in die Profiszene eingestiegen: Beim Bundesentscheid des Rias-Wettsingens saßen Kapazitäten wie Joy Fleming, Joana, Roberto Blanco und Drafi Deutscher in der Jury. Das Neupotzer Jung-Duo schaffte es zwar „nur" auf den dritten Platz, dafür bot ihnen eine Plattenfirma an, als Vorgruppe mit dem damaligen deutschen Teenie-Idol Manuela zu touren. Die hatte gerade den Hit „Schuld war nur der Bossa Nova" gelandet. Doch der Vater der Hammer-Geschwister war skeptisch. Inge Hammer hatte gerade mit der Handelsschule begonnen. „Die wollte ich damals fertig machen", erinnert sie sich. Klaus absolvierte eine Ausbildung zum Industriemeister für Kunststoff und Kautschuk, arbeitete später bei Gummi-Mayer.

So traten die beiden weiter in der Region auf, oft in vollen Festzelten. „Damals hat das ganze Zelt gelauscht, wenn wir gespielt haben. Heute reden alle durcheinander", bedauert Klaus Hammer. Er und seine Schwester würden am liebsten ohnehin auf Verstärker verzichten, deswegen bevorzugen sie kleine Bühnen, „Da fühlen wir uns wohl." Mit rund 50 Konzerten im Jahr ist das Hoffmann-Hammer-Trio gut ausgebucht. „Wir sind mittlerweile ein Selbstläufer", sagt er. Immer wieder gibt es Sonderprogramme, und jetzt eben seine Werkschau, live und auf CD.

Warum gerade jetzt? „Ich bin zwar gesund, aber man weiß ja nie, wie lange ich das noch machen kann", sagt er. In zwei Jahren will er nicht nur den Ruhestand, sondern auch wieder mehr die schöne Neupotzer Altrhein-Natur genießen. Die fängt gleich bei ihm um die Ecke hinter dem Otterbach an. Er hofft, hier Inspirationen für neue Lieder zu finden. Das wird er bestimmt. Wer schon so lange singt und dichtet, der macht das auch noch für den Rest seines Lebens.

 

[Home] [Wir über uns] [Termine] [Programme] [CD's] [Presse] [Jubiläumskonzert 2011] [Der Freiheit ein Lied] [Leise Töne] [Liederbuch] [Bellemer Heiner Edenkoben] [Bellemer Heiner Queichhambach] [Bellemer Heiner Woisträßler] [CD-Vorstellung] [Freistett 2006] [Bürgerhaus Scheibenhardt] [Freistett 2005] [Leben mit Musik] [Bildergalerie] [Links] [Kontakt]